Neuer Track "Sedonian Sky"
Bei der Produktion dieses Tracks habe ich einmal einen ganz anderen Ansatz genommen als die klassische Herangehensweise des Komponierens und Songwritings. Da das Thema in aller Munde ist, man ahnt es bereits schon, habe ich ein Experiment mit einer generativen KI, in diesem Fall Suno, gewagt.
Ich habe aus meinen vielen Schnipseln von musikalischen Ideen eine kurze, 8-taktige Sequenz herausgesucht und mir gedacht, was würde wohl eine KI daraus machen? Also habe ich sie in Suno importiert und mit einigen wenigen Angaben einen Track generieren lassen. Es sollte in Richtung Modern Fusion gehen, ein Instrumentalstück mit viel Lead-Gitarre und Keyboards.
Die erste Version, die generiert wurde, war bereits eine sehr positive Überraschung, wirklich unglaublich, was daraus gemacht wurde. Ich habe dann noch zwei weitere Versionen gemacht, aber auch wenn es immer noch sehr gute Resultate waren, die erste Version gefiel mir am besten. Ich habe dann doch noch einige Takte (den Heady-Rhythm part) aus einer anderen Version in die erste Version kopiert und diese dann als Grundlage für die weitere Arbeit genommen. Die Instrumente (Drums, Bass, Keyboards, Guitars) konnten aus Suno einzeln exportiert werden und die habe ich dann in Pro Tools importiert.
Die erste Überraschung war das Tempo. Ich hätte angenommen, dass bei einer KI alles bis auf das kleinste Bit auf dem Raster festgenagelt ist, aber so war es nicht. Ich musste dann tatsächlich in Pro Tools eine Tempo-Map erstellen, wie ich das bei Bands auch immer gemacht habe. Damit wird eine variable Tempo-Angabe erzeugt und somit bleiben tempo-basierte Effekte wie z.B. Delays (Echos) im richtigen Timing. Auch für die Quantisierung ist dies enorm hilfreich. Die KI simuliert also auch diesen Effekt des menschlichen Musizierens, also das stetige leichte Schwanken des Tempos, welches eine "humane" Komponente hinzufügt.
Hier die Tempo-Map zur Ansicht mit den stetig schwankenden Tempi, alle 4 Takte wurde ein Marker gesetzt:

Die zweite Überraschung lag in den Gitarren-parts, welche einige ausgefuchste Linien beinhaltete, die mich ganz schön ackern liessen, bis ich alle Parts mit meinem Spiel ersetzt hatte. Dabei habe ich viel gelernt, wie bei dem Nachspielen von Songs anderer Künstler. Es war ein richtiger Workout und ein gutes Training für mich, schon dafür hat sich dieses Experiment gelohnt.
Natürlich gab es auch negative Erfahrungen, die ich nicht verheimlichen will. Das Processing der Tracks ist schon sehr extrem, mit Hall, Delay, Kompression etc. fast bis zum Anschlag ausgereizt. Dadurch muss man auch viel weniger nachher beim Mixdown und Mastering machen, aber ist schon grenzwertig. Die Separierung der Spuren war auch nicht ganz sauber, manchmal blitzte ein anderes Instrument durch oder es gab ganz abrupte Endings. Auch einige Artefakte, die fast nicht nachzuspielen waren, waren präsent und auch klanglich gab es innerhalb der Spur, z.B. beim Bass, gut hörbare Veränderungen, wenn auch eher nur im Solo-Modus und nicht so sehr im Gesamt-Mix.
Als Fazit kann ich für mich sagen, dass für mich dieses Experiment sehr positiv war. Ich habe einiges spieltechnisch lernen können und das Ergebnis gefällt mir auch sehr gut. Mir ist klar, dass dies bei einigen wie Schummeln wirkt, wenn die KI den ganzen Song schreibt, und ehrlich gesagt ist es das auch, wenn man es nicht ganz klar als AI-generated deklariert. Bei den Credits steht dann auch: Song written by: Suno AI, Guitars and mixing by: Bertrand Grichting, Mastering by: Waves AI mastering.
Ich würde diesen Song also nie als das ausgeben, was er nicht ist. Nicht von mir geschrieben, auch wenn die Grundidee mit den acht Takten dann doch noch von mir stammt. Aber da ich kein begnadeter Songwriter bin, auch nie war, trotzdem jedoch jede Menge musikalische Ideen und Riffs habe, die ich gerne als fertigen Track sehen würde, ist für mich diese Technologie ein willkommener Helfer. Allein in meinem Studio habe ich keine Mitmusiker, keine Songwriting Sparring-Partner, mit denen ich früher Songs geschrieben habe. Die Zeit ist einfach passé und durch KI habe ich wieder die Möglichkeit, virtuelle Studiomusiker zu engagieren, wenn auch viel günstiger ;-) Drummer, Bassisten, Keyboarder und vor allem Sänger/innen, auf die ich zurückgreifen kann und inzwischen absolut erstaunliche Resultate liefern. Es ist eine gute Zeit, heutzutage Musiker zu sein, solange man nicht davon leben muss...
Hier reinhören: Sedonian Sky


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